Es ist Advent…!

Dezember 1, 2008 - Eine Antwort

Hm… Hier irgendwie nicht.
Trotzdem gibt es für euch jetzt ganz exklusiv hier auf der Seite einen Adventskalender (zu finden unter „Adventskalender“).
Also schön täglich nachgucken und kommentieren!
Das erste „Törchen“ könnt ihr jetzt schon öffnen und ihr werdet was richtig albernes dahinter finden (Yeah!) Also viel Spaß!

Nein – Doch – Nein – Doch

November 24, 2008 - 2 Antworten

Eine Woche voller Insider wuerd ich sagen. Ich fuehl mich bei Familie B. nicht wohl und in der Ueberschrift seht ihr schon den Konflikt, mit dem ich mich gerade beschaeftige. [Wer die Insider nicht kennt und mehr drueber wissen will kann sich gerne bei mir melden]
Die Frage jedenfalls… Will ich schon wieder die Gastfamilie wechseln?
Da es dann mein dritter Wechsel waere wuerde ich damit dann zu einer minderheit gehoeren, was die Statistiken angeht, denn Leute die mehr als 2 Mal die Gastfamilie wechseln sind eigentlich sehr selten.

Ein recht glueckliches Ereignis der letzten Tage war mein Besuch im kino, zum Glueck dann auch mitsamt Amber, aber leider auch ihrer Mutter und Linda. Ich hatte zwar das Glueck am Rand zu sitzen, so dass Amber und Ann zwischen mir und Linda sassen und ich ihre genervten Seufzer a la „Was ist das doch fuer ein unmoralischer Film“ nur ab und zu von weitem hoeren musste.
Tja. Ich muss sagen der Film ist wirklich sehr unmoralisch: 1 Toter, 1 Kuss. Das schlaegt jeder James Bond locker, aber, ach ja, hab ich ja vergessen, sind ja Vampire. Bestimmt essen Linda und Hank deswegen immer so viel Knoblauchbrot. Hilft Coffein-Free-Diet-Pepsi wohl auch gegen Vampire?

So denn. Jetzt sitze ich also mal wieder in einem der College „Labs“ (uebrigens immer noch illegal) und denke darueber nach, was ich mit meinem verbleibenden Dasein in den USA jetzt noch machen soll… Soll ich dasitzen und zuhoeren wie Linda meine Eltern beleidigt, oder es doch noch mal mit einem Wechsel versuchen?
Die offizielle Beleidigung ereignete sich Samstag im Auto, als ich sie konkret noch mal zu der Aussage in dem Dialog („Wuerdest du bitte mit meinen Eltern reden?“ – „Nein. Ich bin Pastor.“) fragte, bzw. sie darauf ansprach, dass es mich ein wenig verletzt hat, dass sie praktisch gesagt hat, meine Eltern waeren ihr untergeordnet. Jep. Das hat sie bestaetigt. Meine Eltern sind minderwertig, weil sie keine Pastoren sind und ich soll jetzt bitte nicht boese werden, denn sie hat sich das ja nicht ausgedacht – steht ja in der Bibel.
Wie weit reichen die Rechte eine Gastfamilie? Wie weit geht das „Behandelt sie nicht wie einen Gast, sondern wie ein Familienmitglied.“? Darf meine gastmutter wirklich in meine „Erziehung“ einschreiten?
(Aehm. Dazu mal am Rande. Es ist eh zu spaet um mich zu erziehen. Sie laeuft da eh nur gegen eine Wand, aber was solls… Mach ich ja offenbar auch.)

So. Umgekehrt fuehle ich mich an dieser Stelle aber auch mal verpflichtet klar zu stellen, dass nicht alle Amerikaner so sind!! Ganz und gar nicht. Ich kenne hier genuegend tolle Leute, die absolut nichts mit Kirche etc. zu tun haben und ehrlich gesagt ist mir das im Augenblick lieber. Urspruenglich hatte ich mal nichts gegen Religion, aber ich fuerchte mal ich bin dabei gerade meine Meinung zu aendern. Hehe. Wie war das mit „Kein Konvertieren im Austauschjahr?“

Naja. So siehts aus und nebenbei: Schreibt mir!! Ich brauch irgendwie ein paar aussenstehende Meinungen zu der Situation…

Bis(s) zum Verzweifeln

November 21, 2008 - 2 Antworten

Haha. Das Leben macht Spaß, die Welt ist toll. (Hier bitte Sarkasmusdetektor aktivieren)
Dieses mal nehme ich das gleich vorweg: Ich liebe das Land hier, ich habe tolle Freunde hier und die Schule/das College ist genial.
Das war die gute Nachricht. Die schlechte(n) zu erläutern wird wohl etwas mehr meiner kostbaren Zeit beanspruchen… Auch vorweg nehmen sollte ich vielleicht noch folgendes: Bisher habe ich immer versucht neutral bei allem zu bleiben und die „Goldene Regel“ zu befolgen öffentlich hier nichts zu schreiben, was ich den betroffenen Personen nicht auch ins Gesicht sagen würde. Ich glaube das lasse ich jetzt einfach mal. Mir ist gerade so danach.

Bei dem Pastorenehepaar Henry und Linda B.* lebe ich jetzt seit ca einem Monat. In der ersten Zeit war ich noch ziemlich fertig von dem Rausschmiss aus meiner 2. Gastfamilie und habe mich nicht um sonderlich viel gekümmert. Mein Koffer blieb unausgepackt bis vor ein paar Tagen und generell habe ich versucht so passiv wie möglich zu sein, alles verdrängen, keinen Ärger machen…
Der erste „Anschlag“ kam dann passend kurz vor Halloween. Meine Hughsoner Freunde (aufgelistet unter „Who is Who“) hatten schon seit Ewigkeiten eine Halloween-Party geplant und waren gerdezu euphorisch mit der Frage beschäftigt als was ich denn hingehen könnte. Als ich aber Linda mit dieser Idee konfrontierte war sie weniger begeistert und zwar aus 2 Gründen: Halloween ist böse, Mormonen (meine Freunde) sind noch schlimmer. Ich versuche mal wieder den Dialog zu rekonstruieren…

Linda: Weißt du, das können die nettesten menschen der Welt sein, haben eine tolle Einstellung zu Familie, aber es sind böse Geister um diese Leute und ich würde dort nicht hingehen also gibt es keinen Grund warum du hingehen solltest.
Ich: Naja… Das sind meine Freunde…
Linda: Ich möchte nicht, dass du Halloween feierst. Wir tun meistens so als wäre gar nichts an Halloween. Halloween ist Satans Geburtstag und ich sehe deshalb keinen Grund zu feiern.
Ich: Ähm… Halloween kommt ursprünglich von den Kelten. Und da ging es darum die bösen Geister zu vertreiben.
Linda: An Halloween werden Kinder umgebracht.
Ich(denke): Toll. Jeden tag werden Kinder umgebracht. Meine Freunde treffen sich aber nicht um Kinder umzubringen…
Linda: Es gibt Leute die Blut trinken an Halloween.
Ich: Es gibt leute die blutige Steaks essen.
Linda: Ich nicht! Wenn ich Leute sehe die das tuen, dann bete ich für sie. In der Bibel steht nicht, dass man kein Fleisch essen soll, aber dass man kein Blut trinken soll.
Ich(denke): In der Bibel steht aber auch nicht, dass man kein Halloween feiern soll.

Das Thema war damit dann erstmal abgeschlossen. Schnitt. Ich hab mich aufgeregt, meinen Freunden abgesagt und bin mit Linda irgendwann zu dem Einverständnis gekommen, dass ich meine Freunde tagsüber sehen kann, wenn ich nicht in die Nähe von deren Kirche komme. Dass Linda mir nicht zuhört, egal was ich sage, dass sie keine Gründe für tausend Dinge nennt (bzw. vollkommen unlogische Grüne) und mir dauernd das Gefühl gibt ich sei nur Arbeit und sie wäre die Heilige die sich für mich aufopfert, dass lässt sich im Alltag mit einer Menge nicken und „hm-hm“ ganz gut überspielen. Unglücklicherweise bin ich aber nun mal leider doch eher ein Temperaments-Mensch und manches geht mir dann doch einfach zu weit. Ein weiterer spaßiger Vorfall ereignete sich also heute.
Viele von euch wissen bestimmt, dass morgen (21.11.) der erste „Twilight“ Film in die amerikanischen Kinos kommt, in der deutschen Übersetzung „Bis(s) zum Morgengrauen“.
Da ich ja doch nach langem überreden meiner Freunde hier die Bücher zu lesen, Fan der Reihe geworden habe ich (zusammen mit besagten Freunden) ziemlich euphorisch auf das erscheinen des Films gewartet, Tickets gekauft für Samstag um mit meiner Freundin Amber nach einem Shopping Trip den ersten Film anzugucken, einen ganzen tag „außer Haus“ verbringen, eine Weile lang einfach „hysterischer Teenager“ spielen. Tja. Folgender Dialog ereignete sich heute im Auto, nachdem Linda mich von der Schule abgeholt hatte.

Linda: Hat Amber heute mit dir geredet?
Ich: ja, sie wollte später noch anrufen.
Linda: Ann (Ambers Mutter) hat angerufen. Amber kommt Samstag nicht mit dir ins Kino. Ann findet, dass der Film unangemessen ist für ein junges, christliches Mädchen. Sie hat sich das Buch angesehen und hat herausgefunden dass es böse ist. Ich hatte auch nicht realisiert, dass es darin um Vampire geht…
Ich(habe schon so eine Vorahnung): Gut. Kann ich dann Jennifer mit ins Kino nehmen?
Linda: Also… Ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, ob du gehen solltest.
Ich(Schock): Ich… Ähm… Würdest du bitte mit meinen Eltern darüber reden?
Linda: Nein. Unabhngig was deine Eltern sagen. Ich bin schließlich Pastorin, weißt du.
Ich: Dieser Film ist nicht böse oder sonst was. Du guckst schließlich auch James Bond Filme und da werden Menschen getötet nur damit die Actionszenen spannender werden.
Linda: Das ist was anderes. Hier geht es um Vampire.
Ich: Wenn Ann das Buch gelesen hätte wüsste sie, dass das Buch sogar einige religiöse Einflüsse hat(dass die Autorin Mormonin ist muss Linda ja nicht wissen). Das Mädchen im Buch zum Beispiel will, dass der Vampir in den sie sich verliebt hat sie auch zum Vampir macht, aber er lehnt das ab, weil er ihre Seele retten will.
Linda: Ja, das kann schon sein, aber es sind Vampire. Weißt du, es passieren so viele schlimme Dinge, wie ich dir erzählt habe, an Halloween opfern die Leute wirklich Kinder und trinken Menschenblut und bringen Leute um…
Ich: Die Vampire im Buch nennen sich „Vegetarier“ weil sie nur Tierblut trinken. Sie wollen die Menschen schützen. Und es macht doch nun wirklich keinen Unterschied ob man Tierfleisch isst oder Tierblut trinkt.
Linda: In der Bibel steht aber nichts von wegen Fleisch. Nur, dass man kein Blut trinken soll!
Ich: Also mit anderen Worten du verbietest mir den Film zu sehen?
Linda: Zumindest komme ich mit ins Kino, aber ich bin noch nicht sicher.
Ich: Linda… Wenn du mich erzogen hättest und ich deine Tochter wäre… [Ich wollte darauf hinaus, dass ich dann ihre position vielleicht verstehen würde, aber so einfach eine andere meinung habe]
Linda: Ja. Dann müssten wir diese dumme Diskussion gar nicht haben. Dann könnte ich sagen wie es ist und die Sache wäre erledigt.

Toll. Mein Wochenende ist gerettet.
________________________________________
*Bei dem Nachnamen hätte ich ja wohl schon misstrauisch werden müssen [Insider]

FBI-Gespraeche

November 12, 2008 - Leave a Response

„Es ist schwer, aber ich weiss ich darf nicht schwach sein, denn das macht sich der Feind zunutze um anzugreifen“
Wenn ich sowas vor einem halben Jahr irgendwo aufgeschnappt haette, haette ich das garantiert fuer ein Filmzitat aus irgendeinem Spionage-Film gehalten. In Wirklichkeit aber ist dies ein voellig unschuldiger Satz, der gestern beim Abendessen fiel. Wie man, wenn man es in den USA mit wirklichen „Hardcore-Christen“ zu tun hat, dann ist diese Ausdrucksweise voellig normal und wenn es nur darum geht, dass der Teufel jemanden dazu verfuehren wollte seine Waschmaschine auf „Warm-Cold“ anstatt auf „Cold-Cold“ zu stellen. Genrell gilt die Regel, dass man Gott mit wirklich jeder Angelegenheit unbedingt konsultieren sollte, da schliesslich praktisch jede Entscheidung die man alleine trifft ja vom Teufel persoenlich manipuliert sein koennte. Eine sehr beispielhafte Situation ergab sich zum Beispiel vor ein paar Wochen, als ich mit meiner 1. Gastmutter Carol und deren Freundinnen Dixie und Nema beim Essen sass…

Carol: Wir sind im Moment noch auf der Suche nach einer Matratze fuer Marei. Sie hat schon ein Bett, aber eben noch keine Matratze.
Dixie: Schaut doch mal bei WalMart, die haben-
Nema(unterbricht sie): -Stopp!! Gott redet gerade mit mir… Einen Moment… Ja… Augenblick… (ploetzlich an mich gerichtet) Magst du Luftmatratzen?
Ich: Aehm… Ja… Keine Ahnunng…
Nema: Gott hat mir gesagt, er will, dass ich dir mein Bett gebe!
Ich: Aehm… Aber ist denn das auch okay fuer dich?
Nema: Wenn Gott das sagt, Honey, dann hab ich keine Wahl.

Das in etwa ist das Klima in dem ich mich im Augenblick so „bewege“ in meiner neuen Gastfamilie. Soll aber nicht heissen, dass sie nicht nett sind. Sie geben sich wirklich Muehe und haben mir inzwischen verziehen, dass ich Pro-Obama war und bin. Sie fahren mich zur Schule und mit ein wenig murren auch zum Gesangsunterricht und ab und zu irgendwo zu Freunden (natuerlich nur, wenn sie die Eltern kennen und damit einverstanden sind mit wem ich meine Zeit so verbringen will).
Ich glaube, wenn ich in Deutschland dann relativ bald nachdem ich wieder komme 18 werde wird das ein totaler Schock fuer mich, dass ich ploetzlich niemanden mehr fragen muss, ob ich mich mit jemandem anfreunden darf.

Trotz allem aber und auch trotz dem letzten Eintrag: Bitte nicht missverstehen! Mir geht es gut! Meine Schule ist toll, ich hab Freunde hier und es gibt tausend Dinge (immer noch) die mir hier sehr viel besser gefallen als in Deutschland. Dass ich die Leute aus Deutschland vermisse, daran aendert das natuerlich nichts, aber ich haette alle immer noch sehr viel lieber hier, als wieder zurueck nach Deutschland zu muessen.
Schliesslich gibts auch genug Leute hier, die ich dann vermissen kann, wenn ich zurueck bin…

Auch in diesem Eintrag folgt nun ein weiteres Entschuldigung 1. dass ich vielen Leuten noch nicht individuell geantwortet hab (Sonni,Helemen, Anita, Mira, Michele, Wiki, Mina), 2. dass eure Briefe immer noch nicht los sind (Flo, Kathy, Hanni) und 3. dass es immer noch keine Fotos gibt. Kommt aber irgendwann wirklich! Versprochen! (zumindest die alten da, aus meiner 1. Gastfamilie. Hehe. Damit ihr ein bisschen mit mir leiden koennt)

So. Und jetzt muss ich mal wieder weiter zu Government… Government ist im Augenblick gerade absolut genial. Mit einer Gruppe von Leuten die genau so verrueckt sind wie ich, sind wir dabei unseren eigenen Praesidentschaftskandidaten zu kreieren: Mertie T. Sincock hat mittlerweile ein Stadium erreicht, wo er mit Netzstrumpfhose und DragonballZ Anzug (mit Superman Umhang) angeflogen kommt um die globale Erwaermung zu verpruegeln… (Aehm –  das aendern wir noch ein bisschen, aber auf jeden Fall haben wir ne Menge Spass dabei).

Es waerte uebrigens super toll, wenn ihr – auch wenn es meine Schuld ist, dass ich so lange nicht antworte – mir trotzdem weiterhin schreiben wuerdet. Ich bin jedes Mal sehr verzeifelt, wenn ich meine emails oeffne und es bloss Werbung ist (dann hab ich immer meine taegliche Depression). Teufelskreis sozusagen: Weil mir niemand schreibt bin ich so deprimiert, dass ich auch keine Lust habe den anderen zu antworten.
Und da sind wir ja schon wieder beim thema: Das liegt gar nicht an mir! Der Teufel verfuehrt mich dazu nicht zu antworten und ich bin einfach zu schwach, fertig.

So. Also, Tschuess bis zum naechsten Mal!
(soll natuerlich heissen: Ganz, ganz bald!)

Update

November 10, 2008 - 2 Antworten

Aus purem Pflichtgefuehl heraus melde ich mich dann auch mal wieder – okay, Spass. Nicht aus Pflichtgefuehl, sondern weil so langsam aber wirklich die Menschen da drueben in Deutschland vermisse. Im Moment gerade zumindest. Ich kann jetzt nicht viel schreiben, bin gerade im College und habe in 10 Minuten American Government, aber wenigstens kann ich so mal wieder eine kurze „Botschaft“ einstreuen.

Im Grunde geht es mir gut, ich will hier nicht weg, ich hab Freunde, ich freu mich auf verschiedene Dinge, die demnaechst los sind. Dass ich gerade ein ziemliches Stimmungstief habe liegt wohl im wesentlichen daran, dass ich gerade ziemlich muede bin und daran, dass meine Gesangslehrerin hier auch „Sandra“ heisst. In diesem Fall gerade eher ein doofer Zufall.

Jetzt aber mal kurz ein News-Update: 1. Ich wohne jetzt bei den Pastoren, 2. Obama hat gewonnen – yay. Dass sind wuerde ich sagen die wichtigsten Ereignisse der letzten paar Wochen. Meine Schule ist immer noch super und ich kann jetzt auch bald die Kurse fuer naechstes Semester waehlen. Ich glaube aber, den freien Vormittag Dienstags und Donnerstags behalte ich bei. Ein bisschen Schlaf wird mir schon nicht schaden.

Ich versuche mich bald wieder zu melden und bald auch endlich mal bei den einzelenen Leuten! Versprochen! Ehrlich! Wirklich!
Ihr duerft euch aber gerne trotzdem auch bei mir melden!

Bis bald also! Wuenscht mir viel Spass mit American-Government und Personal Finance!

Oktober 20, 2008 - 2 Antworten

Haha. Dass man im Leben wohl tatsaechlich immer auf die Marmeladenseite faellt, habe ich gerade mal wieder deutlich zu spueren bekommen. Ich hatte eine richtig tolle Woche, habe an meiner neuen Schule angefangen, die wirklich einfach toll ist und in meiner Gastfamilie lief eigentlich alles perfekt…
Und jetzt bin ich wieder obdachlos.

Jims Vater in New Jersey ist im Krankenhaus, er fliegt hin, vielleicht fuer ein paar Wochen, vielleicht Monate. Staci ist drei Wochen weg und sie haben sich entschieden mich auch dann nicht zurueckzunehmen, wenn sie beide unbeschadet wieder da sind.
Ich habe keinen Plan wo ich jetzt hin soll und glaube nicht, dass ich bei den Pastoren unserer Kirche vollkommen gluecklich werde – sie beten gerade darueber, ob sie mich nehmen sollten oder nicht.
Ich haette zwar verschiedenen Leute in Hughson, Oakdale, Ceres oder wenn ich’s ganz exotisch haben will auch in New Mexico, aber ich will unbedingt an meiner Schule bleiben und jeden Tag aus Albuquerque einfliegen will ich nicht unbedingt.

Mit den Photos und all dem wird es dann so bald leider doch wieder nichts. Auch mit Emails und Briefen komm ich nicht so hinterher wie ich will, aber trotzdem denkt bitte nicht ich haette euch vergessen!
Ich versuche alles nachzuholen und euch so gut es geht auf dem laufenden zu halten. Im Moment bin ich zum Beispiel gerade illegal in der College-Bibliothek um diesen Eintrag zu schreiben.

Damit mal wieder ein Themenwechsel, damit ihr nicht denkt, es waere alles schlecht hier:
Ich hatte ja nun meine Erfahrung mit einer gewoehnlichen amerikanischen High School in Hughson und das war auch soweit ganz nett. Meine Freunde und meine Lehrer von dort vermiss ich sogar richtig. Trotzdem, fuer mich persoenlich war es die beste Entscheidung hierher zu kommen, an die Valley Charter High School.
Das System hier funktioniert so: Von 13.00 Uhr bis 16.00 Uhr habe ich meine drei Highschool Faecher American Government, Personal Finance und English Literature. Den kompletten Vormittag ueber gehe ich aufs College, also praktisch sowas wie eine Uni. Dieses Semester mache ich da noch nicht ganz so viel, aber ab Januar bin ich dann definitiv in „Intermediate Voice“, „Advanced Filmmaking“ und „Modern Dance“. Vielleicht auch noch ein paar mehr. Das ist das System, bis auf Freitag, wo ich von 8.00 bis 10.30 Schule habe. Ja, ihr duerft mich beneiden.

Ansonsten kann ich euch vielleicht auch in sofern beruhigen, dass es genuegend Menschen hier gibt, die sich mehr oder weniger um mich kuemmern. Auch wenn ich im Moment nicht gerade das internsivste Hoch stimmungsmaessig durchlebe, aber weiter gehts auf jeden Fall irgendwie. Sobald ich wieder irgendwo zu erreichen bin, sag ich euch auf jeden Fall bescheid und nach wie vor: Ich will immer noch alle aktuellen, dramatischen Neuigkeiten auf der Stelle wissen. Versprochen, ich antworte persoenlich auf alle Kommentare und emails so bald wie moeglich. Jetzt muss ich aber erstmal aus der Bibliothek wieder unbeschadet rauskommen und mich dann mal drum kuemmern, wo ich heute Nacht schlafe…

Also fuehlt euch alle ganz lieb gegruesst und bislang hab ich noch niemanden vergessen!
Hoffe, ihr vergesst mich auch nicht so bald!

Time to say goodbye

Oktober 6, 2008 - 2 Antworten

Erstmal: Keine Angst, ich komme nicht zurück, aber Goodbye sagen muss ich trotzdem, nämlich zu den tollen Freunden, die ich in 2 Monaten an der 700-Schüler großen Hughson-High gefunden habe.
So. Um es jetzt etwas weniger dramatisch zu machen: Ich wechsele die Gastfamilie. Der Spuk hat ein Ende – sowohl was Tasha anbelangt als auch, was einige unangenehme Vorfälle in diesem Haushalt angeht. Da das hier öffentlich ist, möchte ich mich dazu hier jetzt nicht im Detail äußern, aber da ich weiß, dass ihr bestimmt neugierig seid, mache ich mir das jetzt einfach mal zum Vorteil indem ich verspreche euch alles im Detail, privat und per Email, Brief oder Telefon zu erzählen, wenn ihr ganz lieb darum bittet und mir auch mal ein bisschen erzählt, wie es euch so ergeht. Ich freu mich nach wie vor über jede Nachricht!

So. Etwas anderes was ich euch jetzt wohl schuldig bin ist eine Entschuldigung, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe, jedenfalls nicht hier. Rechtfertigen kann ich mich nur dadurch, dass ich hier kein wirklich funktionierendes Internet habe und die Schulcomputer alle Seiten sperren bei denen man sich einloggen muss – also auch den Blog.
Das ist gleichzeitig auch meine Erklärung, warum es noch keine Photos auf dem Blog gibt. Ich habe zwar schon 5 hochgeladen, aber allein das hat mich um die 4 Stunden gekostet.
Aber jetzt die Gute Nachricht: Nächstes Wochenende wird das alles anders, denn dann ziehe ich bei meinen neuen Gasteltern Staci und Jim ein und deren Internet funktioniert einwandfrei!

So. Seid mir nicht böse, aber das wars auch schon wieder von mir. Aber seid nicht zu enttäuscht, ich meld mich bald wieder – hoffentlich aus meinem neuen Zuhause! Und wenn ihr was wissen wollt, oder ich über was bestimmtes schreiben soll – schreibt es ins Gästebuch, oder mailt es mir!

Bis bald!

P.S.: Kathy, Flo und Hanni: Falls ihr das lesen solltet: Ihr kriegt bald Post von mir. Der Inhalt in den Briefen ist zwar nicht mehr 100%ig aktuell, aber ich schick sie trotzdem ab, inklusive meiner neuen Adresse! Also denkt bloß nicht, ich hätte euch vergessen!!!

Welcome to the Hotel California

August 27, 2008 - 2 Antworten

Ich nehme einen meiner Badeanzüge aus dem Schrank, ziehe mich im Bad um (werfe dabei kurz ein misstrauischen Blick zur Dusche – war da nicht doch was?), dann gehe ich runter, bleib noch kurz bei Tootsie hängen, gehe dann schließlich zur Terassentür raus aus der Klimatisierten Wohnung, schaue kurz aufs Thermometer… Was? Schon wieder nur 30°C? Mann. Wo bleibt der Sommer, kanns nicht mal wärmer werden?
Also ihr Lieben, ihr seht: Das kalifornische Wetter hat mich jetzt schon ziemlich verwöhnt gemacht. Auch bei den nicht zu selten erreichten 40°C… So warm ist das doch wirklich nicht. Gut, Scott sieht das etwas anders, aber für mich kanns gerne immer bei den 40 bleiben.
So. Heute bin ich genau 2 Wochen hier… Ist schwer zu sagen, wie ich mich eigentlich fühle. Einerseits kommt es mir ewig vor, dass ich am winzigen Flughafen von Modesto endlich, endlich nach 21 Stunden unterwegs sein und doch ein paar Abschieds-Tränen unterdrücken zum ersten Mal mit meiner Gastfamilie zusammengetroffen bin. Andererseits aber scheinen Deutschland und alles eigentlich gar nicht so fern oder lange her – dann doch eher gestern, irgendwie.
Wie auch immer. Wie es euer innigster Wunsch war – den Kommentaren im Gästebuch zufolge – berichte ich euch jetzt, nachdem ich euch lange genug habe zappeln lassen, über unsere heimliche Freundin Tasha.

Es fing – laut Carol – an damit, dass ein Spielzeug der Katze im Pool lag. Schön und gut soweit – nur darf die Katze nicht raus bzw. sie will auch gar nicht. Wer also könnte dieses Spielzeug da platziert haben? Carol wars nicht, Scott auch nicht und auch nicht die damaligen Austauschschüler Casper und Nick. Sehr mysteriös, aber noch nicht so besonders.
Tashas nächster Auftritt war dann allerdings schon um einiges glamuröser. Carol war allein zuhause an einem ganz gewöhnlichen kalifornischen Tag. Wie man das an gewöhnlichen, kalifornischen Tagen so zu tun pflegt, war Carol gerade dabei sich Poolfertig zu machen, ging ins Bad und…
… Konnte nur noch beobachten, wie die Duschwand in tausende winzige Splitter zersprang.
Naja. Immer noch schön und gut. Wirklich gruselig wurde es erst später – wobei Carol sich sicher ist, dass Tasha keinesfalls böse ist. Das schonmal vorweg.
Der nächste Vorfall ereignete sich wieder ganz beiläufig. Dieses Mal äußerte sich die unsichtbare Macht ganz schlicht in der Form, dass Carols Handy klingelte. Scotts Telefonnummer, also die von unserem Haus hier – erschien im Display. Blöd nur, dass Scott a) nicht zu hause war und b) er Carols Handynummer nicht hat – die haben nur ihre beiden Kinder.
Gut – man kan sagen das sind alles zufälle. Dachte sich Carol vielleicht auch, bis sie eines schönen Tages aufwachte und Tasha neben ihrem Bett stand – bzw. jemand stand neben ihrem Bett, eine junge Frau, die, als sie sah, dass Carol wach war unter ihrem Bett abtauchte und nie mehr gesehen ward.
So, nun werdet ihr euch aber sicher wundern: Warum ausgerechnet Tasha?
Tja, dass das der Name unseres Hausgeistes ist, hätte vermutlich niemand herausgefunden, wäre Carol nicht zufällig einem Medium über den Weg gelaufen! Dieses Medium zeigte verständnis für all die Vorkommnisse und sie hatte auch eine ganz einfach Erklärung dafür: Dieses Mädchen ist irgendwo in der näheren Umgebung gestorben und hat Angst den nötigen, letzten Schritt ins endgültige Jenseits zu tätigen. Und die Message dabei für Carol:
Finde ihren Namen heraus, so dass du, wenn sie dir das nächste Mal begegnet mit ihr sprechen kannst und ihr sagen, dass sie nichts zu befürchten hat.
Das tat Carol dann auch. Tasha war 17 und starb bei einem Autounfall.
Wann immer wir nach Modesto fahren kommen wir an der Stelle vorbei, wo sie starb, wo noch immer ein Kreuz mit ihrem Namen steht mit ein paar Blumen daneben.
Aber ich glaube die Einwohner dieses Hauses brauchen weder Kreuz noch Blumen um regelmäßig an Tasha erinnert zu werden. Bei uns kommt sie schließlich regelmäßig vorbei, versteckt Sachen, macht lustige Klopfgeräusche in der Nacht, sorgt dafür, dass ein Ventilator fast auf Tootsie gefallen wäre (einer der an der Decke hängt) oder versteckt Carols Sachen immer wieder an der Stelle an der sie damals verschwunden ist unter ihrem Bett.

Die Kirche, die Katze, der Pool und ein Geist

August 18, 2008 - Leave a Response

Jetzt habt ihr mcih tatsächlich so weit, dass ich hier doch mal einen Eintrag schreibe! Wird auch fortgesetzt, versprochen. Ich war mir nur bisher, sagen wir mal unsicher, über was ich eigentlich schreiben soll.
Definitiv aber aus dem Grund, dass es einfach schon wieder wahnsinnig viel gibt, was ich euch so erzählen könnte, sei es über meine Gastfamilie, über Klischees, die sich hier bestätigen oder nicht oder über die jetzt doch kleinere Schule (die morgen anfängt, wünscht mir Glück!), meine „Area Rep“ oder Wal Mart. Kleine Statements zu diesen Themen werden sicherlich im laufe der Zeit folgen, weil mir wirklich einiges durch den Kopf geht, was ich dazu schreiben könnte, aber ich habe mir gedacht, für den ersten Eindruck beschränke ich mich mal auf die vier im Titel genannten Themenbereiche.
Zuerst die Katze. Angekündigt: Herbstfarben. Von einigen vermutet: Matschbraun. Realtät: Die süßeste Katze, die ich mir im Moment hätte wünschen können. Tootsie hat ziemlich langes Fell und wird deswegen auch jeden Tag gebürstet (durfte ich auch schon machen!) und ist dreifarbig – eine Glückskatze also. Schwarz, weiß und rotbraun. Unwahrscheinlich niedlich und zum Glück sehr anschmiegsam. Werd bald ein Foto von ihr machen!

Der Pool – davon muss ich auch ein Foto machen. Also zuerst mal: Der Pool ist groß. Man kann wirklich richtig drin schwimmen. Nicht die Art von Gartenpool, die man vielleicht erwartet, bzw. die ich erwartet hatte. Ist schon ein tolles Gefühl zu wissen, dass man wann immer man will einfach kurz reinspringen kann um sich dann wieder gemütlich auf die andere Seite auf die Luftmatratze zu legen und weiter zu machen mit „just floating around“.

Die Kirche. Dazu könnte ich schon jetzt so viel schreiben, dass ich denke ihr widme ich später mal einen längeren Eintrag. Nur soviel – Ich liebe die Kirche hier. Von außen sieht sie aus… Naja, vielleicht wie ein Gebraucht-Auto-Händler, von innen ist es einfach ein großer, heller Raum, einige Zimmerpflanzen drin und eine art ganz kleine Bühne vorne, es stehen ein paar Stühle drin… Aber bevor man überhaupt rein kommt hört man schon die Musik – die Musik ist, passend zum Thema wirklich göttlich – stellt es euch ein bisschen so vor, wie „Santa Claus is coming to town“ von den Pointers Sisters oder „I will follow him“.
Man kommt also rein und die Leute stehen da und singen und haben die Augen geschlossen, manche strecken die Hände in die Luft und bewegen sich ein bisschen mit der Musik, vorne steht die Band (Keyboard, Gitarre, Percussion und eine Sängerin). Ab und zu ruft jemand „Jesus“ oder „Amen“ oder irgendwas derartiges rein. Hat ein bisschen was von einem sehr friedlichen Konzert.
Eine „Predigt“ gibt es auch – zugegeben, ich hab gedacht: „Na toll. Jetzt ist der Spaß vorbei.“ aber Predigt ist wirklich nicht gleich Predigt. Der Mann, der sie heute gehalten hat (der Pastor ist gerade nämlich nicht da) macht wirklich mehr den Eindruck, er würde sich auf einer Poolparty befinden und eben ein bisschen über Gott und die Welt plaudern. Während dessen übrigens ging tatsächlich eine Liste herum, wer was zu der Poolparty nächsten Sonntag bei ihm zuhause mitbringt und wer überhaupt kommt. Zwischendrin in der Predigt macht er witze, für die man aus einer deutschen Kirche wahrscheinlich mit einer Fliegenklatsche verjagt worden wäre.
Vor der Predigt übrigens wurde ich mit Applaus begrüßt, weil ich das erste mal da war und nachher haben mich diverse Leute angesprochen und noch mal persönlich willkkommen geheißen. Sie brauchen sich aber wirklich keine Sorgen zu machen – wenn die Musik immer so gut ist, dann komm ich auch gerne wieder!

Und jetzt zum letzten Punkt. Der Geist.
Dieses Mal nur so viel: Wir haben noch eine vierte Mitbewohnerin – und ich meine nicht Tootsie.

So, ich hoffe jetzt habt ihr erst mal genug, worüber ihr euch den Kopf zerbrechen könnt. Wenn ihr fragen habt, dann könnt ihr sie ja ins Gästebuch schreiben, bzw. mir da auch anregungen geben, was ihr gerne als nächstes „thematisiert“ hättet. Ansonsten, Have a good one!

Freu mich von euch zu hören!

U369

Juli 10, 2008 - Leave a Response

Unter dem wunderschönen Namen U369 habe ich am 27. Juni nun endlich mein Visum erhalten.
Ganz ehrlich, dieser Termin im Amerikanischen Konsulat war bisher der schlimmste Teil der ganzen Vorbereitung. Bis auf den letzten Mitarbeiter, der mir dort begegnete (und der auch entschied ob ich ein Visum bekomme) waren die Leute mehr als unfreundlich. Ich frage mich allerdings fast schon, ob da vielleicht so eine Art „Guter Bulle – Böser Bulle“ System dahinter steckt.
Naja. Ich bin da raus. Ich habe mein Visum und damit ist alles gut.

Wie ich die Zeit bis zum Abflug rumbekomme weiß ich irgendwie noch nicht so wirklich. Besonders hypermotiviert bin ich nämlich derzeit weiß Gott nicht, aber was solls.

Die 33 Tage gehen schon auch noch rum.
Und dann kann ich mit dem Leute vermissen anfangen! Juhu. Ich freu mich.

Liebe Grüße von U369